Raketentests in der Nordsee: Zu viele offene Fragen, zu wenig Meeresschutz

19. Juli 2024 | Meere, Lebensräume, Naturschutz

Nur circa 20 Kilometer entfernt vom Meeresschutzgebiet Doggerbank sollen vier Raketen zu Testzwecken abgeschossen werden. Zwar wurden die Starts jetzt verschoben, doch ob damit mehr Zeit für Naturschutz bleibt, ist offen. Denn bisher gibt die Weltraumbranche kaum Informationen über Untersuchungen zu Umwelt-Risiken und Schutzmaßnahmen preis.

Kegelrobbe auf Helgoland Kegelrobben sind im Meeresschutzgebiet Doggerbank zuhause.  (Stefan Menzel)

Die deutsche Weltraumbranche will nicht nur hoch hinaus, sondern auch weit hinaus aufs Meer. Die „German Offshore Spaceport Alliance“ (GOSA), ein privatwirtschaftlicher Zusammenschluss von Raumfahrt- und Logistikunternehmen, plant einen eigenen mobilen Weltraumbahnhof mitten in der Nordsee. Von dort sollen Satelliten in den Erdorbit geschossen werden.

Tests vorerst verschoben: Meeresnatur kann nochmal aufatmen

Erste Tests waren für Juli im äußersten Punkt der deutschen Nordsee geplant. Vier verschiedene Raketen sollten von einem Spezialschiff aus starten. Doch kurz vorher wurden die Tests auf 2025 verschoben. Gut für die Meeresnatur — doch die Pläne sind noch nicht vom Tisch. Grund für die Verschiebung sind laut GOSA lediglich fehlende Genehmigungen aus Großbritannien.

Raketen-Tests neben dem Meeresschutzgebiet Doggerbank

Der Raketen-Startplatz liegt nur circa 20 Kilometer von dem Meeresschutzgebiet Doggerbank entfernt. Schweinswale und Robben sind in diesem einzigartigen Ökosystem zuhause. Auch tausende Seevögel gehen auf der fischreichen Sandbank auf Nahrungssuche. Mit den Raketen-Tests sind Belastungen durch Lärm, Schadstoffe und Müll für die Meerestiere zu erwarten. Trotzdem gibt es derzeit noch keine ausreichende Möglichkeit, um sie naturschutzfachlich zu prüfen, da rechtlich keine Öffentlichkeitsbeteiligung oder Transparenz zu Umweltauswirkungen gewährleistet werden muss.       

Ungewisse Belastung durch Unterwasserlärm, Müll und Schadstoffe

Unterwasserlärm beeinträchtigt Meeressäuger wie Schweinswale bei der Orientierung, Kommunikation und Nahrungssuche. Plötzlicher, intensiver Lärm, wie der einer abgefeuerten Rakete, kann sie kurz- und langfristig von ihren Nahrungsplätzen verscheuchen. Im schlimmsten Fall wird ihr überlebenswichtiges Gehör geschädigt. Zum Schallpegel, der durch das Abfeuern der Raketen unter Wasser entsteht, gibt es keine öffentlichen Einschätzungen. Ob Lärmschutzmaßnahmen geplant sind, um hörsensible Meerestiere zu schützen, ist nicht bekannt. Ebenso wenig, ob es Risiken durch Schadstoffbelastungen oder Müll durch abstürzende Raketen geben wird.

Mehr Transparenz und Vorsorge nötig

Der BUND fordert, dass es keine weiteren Belastungen in der Nordsee durch Raketentests und einen Weltraumbahnhof gibt. Der schlechte Zustand der Nordsee spitzt sich zu. Jede weitere Nutzung muss umso mehr auf den Prüfstand gestellt werden, um Meerestiere und Pflanzen zu schützen. Ganz besonders dann, wenn Meeresschutzgebiete wie die Doggerbank davon betroffen sein könnten. 

Mehr Informationen:

Zur Übersicht

BUND-Bestellkorb