Unsere Industrie soll grüner werden

Wie kann Normung zum Umweltschutz beitragen?

Normen sind Standards, die dabei helfen, Produkte, Verfahren und Managementmethoden aufeinander abzustimmen. Damit funktionieren die Abläufe in der Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung, Technik und im Alltag besser. Arbeiten Expert*innen der Umweltverbände beim Aufstellen dieser Standards mit, können sie dabei Umweltschutz-Aspekte einbringen. Das hilft der Umwelt und unserer Gesundheit.

Normungsarbeit ist Arbeit für den Umweltschutz

Was assoziieren Sie mit praktischem Umwelt- und Naturschutz? Bäume pflanzen, Abfälle recyclinggerecht trennen, Amphibien über die Straße tragen? Wir auch. Aber ebenso: Normen prüfen, Ausschüsse begleiten, Verfahren vergleichen, Kennziffern hinterfragen.

Wie meinen wir das? In zahlreichen Normungsausschüssen in Deutschland, Europa und weltweit arbeiten Expert*innen der Umweltverbände daran mit, Produkte und Verfahren unter ökologischen Gesichtspunkten zu verbessern. Das hilft, die Umwelt zu schützen. Am besten von Beginn an. Einige Beispiele aus der so genannten Kreislaufwirtschaft nennen wir hier.

Standards für eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft

Wir leben in einer "Wegwerfgesellschaft". Das heißt, viel zu oft werfen wir Dinge in den Müll, statt sie zu reparieren oder anders zu nutzen. Das muss sich ändern, denn unsere Ressourcen sind begrenzt. Im so genannten "European Green Deal" planen Politiker*innen der Europäischen Union und Expert*innen, wie wir Dinge zirkulär – wie in einem geschlossenem Kreis – immer wieder neu nutzen können statt sie wegzuwerfen.

Dieses Prinzip heißt Kreislaufwirtschaft. Das ist gut für die Menschen, für die Umwelt und für die Wirtschaft. Das heißt aber auch, dass wir unser derzeitiges Wirtschaften europaweit komplett ändern müssen. Dazu braucht es neben guten Ideen auch gute Methoden in vielen Bereichen. Am besten von Beginn an, bei der Gestaltung der Produkte.

Wo Normen die Kreislaufwirtschaft unterstützen

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Produkte bestmöglich gestalten

Wie müssen Produkte gestaltet sein, sodass sie möglichst lange haltbar, leicht reparierbar sind und gut wiederverwertet werden können? Welche Eigenschaften und Inhaltstoffe muss oder darf ein Produkt haben, damit es möglichst lange nutzbar ist  und dann problemlos recycelt werden kann? Wie viel Energie muss aufgewendet werden, um ein Produkt herzustellen oder zu verwenden?

Zu all diesen Fragen werden Normen, also Standards, erarbeitet. Mit diesen Normen lässt sich dann prüfen und vergleichen, welche Gestaltung und welche Herstellungsmethoden von Produkten besonders gut Ressourcen schonen. Wichtig ist, dass es Standards für möglichst viele Produkte gibt: zum Beispiel für Computer, Handys, Haushaltsgeräte, Batterien und vieles mehr. 

Grünen Fußabdruck definieren

Unternehmen in der Stahlindustrie, bei der Zementherstellung oder im Chemiebereich verbrauchen sehr viele Ressourcen und Energie. Um das zu ändern, braucht es gemeinsame Normen (Regeln). Mit denen wird zum Beispiel der Einsatz oder Ausstoß des Klimagases CO2 messbar und damit vergleichbar. Das Normungskonzept des Umwelt-Fußabdrucks trifft eine Aussage darüber, welche Spuren die Wirtschaft in Natur und Umwelt insgesamt hinterlässt. 

Abfall verringern

Normen können dafür sorgen, dass weniger Abfall anfällt. Sie regeln, wie wir die verwendeten Rohstoffe im verbleibenden Abfall retten und erneut einsetzen können. Oder noch besser: wie große Mengen an Abfall gar nicht erst entstehen. Gelangen schädliche Stoffe in den Abfall, helfen Normen, deren Gefahren zu bewerten und Lösungsstrategien zu erarbeiten.

Vor allem bei der ständig wachsenden Menge an Verpackungsmüll können Normen dazu beitragen, bessere – müllärmere – Verpackungen zu entwickeln. Ein wichtiges Beispiel der Müllverringerung sind Mehrweg-Pfandflaschen. Die gebrauchten Flaschen können im Supermarkt zurückgegeben werden. Sie werden gereinigt und wieder neu befüllt, also nicht weggeschmissen. Normen helfen dabei, zukünftig gemeinsame Pfandlösungen für Essen und Getränke zum Mitnehmen und für Versand-Verpackungen zu entwickeln.

Kleider machen Umweltschutz

Billige und ständig wechselnde Angebote der Modeindustrie führen bei vielen Menschen zu einem wahren Kaufrausch bei Kleidung. Oft führen minderwertige Stoffe oder deren einfache Verarbeitung dazu, dass Textilien schon nach kurzem Gebrauch kaputt sind und entsorgt werden müssen.

Was ist nachhaltige Kleidung? Wie können Textilien länger halten oder genutzt werden? Wie können Stoffe besser recycelt werden? Wie sollten sie gekennzeichnet sein? Zu all diesen Fragen können Normen Antworten geben, so dass Kleidung und Stoffe zukünftig in eine geschlossene Kreislaufwirtschaft überführt werden können.

So helfen Standards im Umweltschutz

Gemeinsame Normen (Standards) können dabei helfen, Produkte, Verfahren und Managementmethoden aufeinander abzustimmen. Damit funktionieren die Abläufe in Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung, Technik und im Alltag besser. Arbeiten Expert*innen der Umweltverbände beim Aufstellen der Standards mit, können sie dabei wichtige Gesichtspunkte des Umweltschutzes einbringen. Das ist praktizierter Umweltschutz.

Normen in Europa und weltweit

Wir handeln weltweit. Damit gewinnen internationale Normen und Standards an Bedeutung. Engagieren sich Umwelt-Expert*innen aus Deutschland in nationalen Normungsausschüssen, können sie auch in den zuständigen europäischen und internationalen Gremien mitwirken.

Vorteile und Nachteile

Die Anwendung von Normen ist grundsätzlich freiwillig. Einige dieser Normen kann sich aber die Gesetzgebung herausgreifen und als verbindlich vorschreiben. Das gilt zum Beispiel für die Normen zur Technischen Anleitung zur Reinhaltung der Luft ("TA Luft").

Dies sorgt einerseits für Planungssicherheit für alle Seiten. Andererseits kritisieren Umweltverbände negative Konsequenzen für den Schutz von Natur, Umwelt und Gesundheit. Denn Unternehmen, die auf Grundlage einer Norm handeln, können sich dabei auf den "Stand der Technik" berufen. Damit können sie im Schadensfall nur schwer haftbar gemacht werden. Betroffene Bürger*innen erhalten dann keine Entschädigung.

Normungsarbeit hilft Umweltschutz

Umwelt- und Naturschutzverbände können als Vertretung der Zivilgesellschaft in den Normenausschüssen mitwirken und so Umweltstandards und Haftungsfragen beeinflussen. Es ist daher praktizierter Umweltschutz, wenn sich ihre Expert*innen im Normungsprozess engagieren. 

Vernetzung und Bündelung im KNU

Koordinierungsbüro Normungsarbeit der Umweltverbände (KNU)

Als anerkannte Interessenvertretung sorgt das Koordinierungsbüro Normungsarbeit der Umweltverbände (KNU) seit 1996 dafür, dass die Stimmen zum Schutz von Natur, Umwelt und Gesundheit möglichst stark in wichtigen Ausschüssen auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene vertreten sind.

Kontakt

Marion Hasper

Marion Hasper

Leiterin Koordinierungsbüro Normungsarbeit der Umweltverbände (KNU)
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