Gefahren für den Luchs: Verkehr, Jagd, Krankheit

Die Zerschneidung seiner Lebensräume, die illegale Tötung durch den Menschen und Krankheiten sind die häufigsten Gefahren, denen der Luchs in Deutschland begegnen muss.

Grünbrücken und eine Unterführung an einer Fernstraße; Foto: Thomas Stephan Grünbrücken wie diese, die Luchsen helfen, vielbefahrene Straßen zu überqueren, gibt es noch zu wenige in Deutschland.  (Thomas Stephan / BUND)

Schon seit den 1970er Jahren gibt es wieder Luchse in Deutschland – und trotzdem sind sie noch weit davon entfernt, eine stabile Population entwickelt zu haben. Diese wäre bei 1.000 erwachsenen Tieren erreicht, doch im Jahr 2019 gibt es gerade einmal 85 ausgewachsene Luchse.

Theoretisch stehen in Deutschland ausreichend Lebensräume und auch Beute (z.B. Rehe) in großen Mengen zur Verfügung. Dennoch geht die Ausbreitung der Luchse nur sehr langsam voran. Dies hat mehrere Gründe:

Was sind die größten Gefahren für Luchse?

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Die Zerschneidung der Lebensräume

Ein Blick auf das Fernstraßennetz der Bundesrepublik zeigt bereits das ganze Ausmaß des Problems: Jede Autobahn stellt ein fast unüberwindbares Hindernis dar, Grünbrücken sind noch viel zu selten. Auch Bundesstraßen und Landstraßen bergen die große Gefahr von Verkehrsunfällen – die häufigste Todesursache von Luchsen. Allein auf der B12 im Landkreis Freyung im Bayerischen Wald wurden zwischen 2016 und 2018 insgesamt sechs Luchse überfahren.

Über den direkten Tod durch den Straßenverkehr hinaus birgt die Landschaftszerschneidung noch mehr Probleme: Luchse müssen wandern, um sich während der Paarungszeit zu treffen oder neue Reviere zu erschließen. Neben Straßen wirken dabei auch Siedlungsstrukturen und große ausgeräumte Agrargebiete als Hemmnisse.

Sind die einzelnen Luchspopulationen zu strikt voneinander isoliert, drohen Inzucht und genetische Verarmung. Beim Blick auf die Verbreitungskarte in Deutschland wird das Ausmaß dieser Zerschneidung klar: Die Luchse im Harz und im Bayerischen Wald sind durch die menschengemachte Landschaftsstruktur zu stark voneinander getrennt. Ein genetischer Austausch ist praktisch nicht möglich.

Illegale Tötung

Obwohl Luchse streng geschützt sind, gibt es immer wieder gezielte Tötungen. In Deutschland sind zwischen 2000 und 2018 sieben Luchse nachweislich getötet worden. Davon wurden fünf erschossen, einer vergiftet und ein weiterer stranguliert.

Sechs Tiere davon wurden im Bayerischen Wald gefunden und eines im Harz. Die Dunkelziffer muss jedoch um ein Vielfaches höher eingeschätzt werden, da die meisten Taten in der Abgeschiedenheit des Waldes geschehen und die toten Tiere nie gefunden werden.

In einer Studie haben Forscher*innen die Ausbreitung des Luchses aus dem Bayerischen Wald hinaus simuliert und festgestellt, dass es ihn – unter Einbeziehung aller natürlichen Faktoren – eigentlich schon viel häufiger in Deutschland geben müsste. Sie gehen daher davon aus, dass 15 bis 20 Prozent aller Luchse erschossen oder vergiftet werden.

Der jüngste grausige Fall: Im Mai 2015 fanden Artenschützer*innen im Landkreis Cham vier abgeschnittene Luchs-Vorderbeine. Sie waren mutmaßlich bewusst in der Nähe einer Fotofalle deponiert worden, so dass Mitarbeiter*innen des Luchsprojekts sie finden mussten.

Krankheiten

Die vom Fuchs übertragene Räude ist nach Verkehrsunfällen die häufigste Todesursache der Luchspopulation im Harz. Hierbei werden die Luchse von einer Milbe unter der Haut geplagt. Der Juckreiz, der beim Schlüpfen der Larven entsteht, ist so stark, dass die Tiere sich offene Wunden kratzen und daran innerhalb weniger Monate sterben können.

Der Schutzstatus des Luchses

Wilder Luchs im Harz In Lauerstellung: Ein wilder Luchs im Harz.  (Johannes Freese)

Auch heute noch gilt der Luchs hierzulande laut "Roter Liste" als stark gefährdet. Er ist deshalb auch in der europäischen Fauna-Flora-Habitatrichtlinie gelistet. Somit hat Deutschland die Verpflichtung, des Luchs streng zu schützen und  Schutzgebiete auszuweisen.

Darüber hinaus benennt die "Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt" der Bundesregierung das Ziel, den Luchs bis 2020 in den Mittelgebirgen und bayerischen Alpen wieder heimisch zu machen – davon sind wir momentan noch weit entfernt.

Große Beutegreifer wie der Luchs sind als Jäger (Prädatoren) von Pflanzenfressern (Herbivoren) ein wichtiger Bestandteil unserer biologischen Vielfalt. Mit ihrer Rückkehr vervollständigt sich unsere Natur wieder ein Stück. Insofern geht der Schutz des Luchses über den Schutz einer einzelnen Art hinaus.

In ihr drückt sich nicht minder der Auftrag des internationalen Übereinkommens der Vereinten Nationen über die biologische Vielfalt aus, das Ökosysteme und ihre ökologischen Funktionen und Prozesse zu erhalten versucht.

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